Annual Asset Manager Conference 2021

KENFO-Segmentanlageausschusssitzungen vom 28. Oktober – 8. November 2021

Ende 2021 lud der KENFO erneut zu seiner „Annual Asset Manager Conference“ ein. In diesem Jahr standen Themen des Klimaschutzes angesichts der vom 31. Oktober bis 12. November 2021 in Glasgow stattfindenden Weltklimakonferenz (COP26) sowie Herausforderungen im aktuellen Investmentumfeld, Nachhaltigkeit von Vermögensverwaltung und Staatsfinanzen und Inflation im Fokus der Vorträge.

Mark Carney

Ein Finanzsystem schaffen, das bei jeder Entscheidung den Klimawandel berücksichtigt.
Was müssen wir auf der COP26 erreichen? Welche gemeinsamen internationalen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels sind realistisch?

 

Den ersten Vortrag und Keynote hielt Mark Carney, UN-Sondergesandter für Klimaschutz und Finanzen und ehemaliger Gouverneur der Bank of England und der Bank of Canada. Mark Carney ist auch der Finanzberater des Premierministers für die COP26, die unmittelbar nach der KENFO-„Annual Asset Manager Conference“ vom 31. Oktober bis 12. November 2021 in Glasgow stattgefunden hat. 


Der UN-Sonderbeauftragte beschrieb seine Sicht auf die aktuelle Situation als „halbvolles Glas“: Positiv sind die Veränderungen, die im Finanzsektor stattfinden, ebenso dass die Logik des Pariser Abkommens auf Ebene der Nationalstaaten ankomme. Die Verpflichtungen müssen jedoch durch eine ehrgeizige und glaubwürdige Klimapolitik untermauert werden, denn je glaubwürdiger und vorhersehbarer die Politik ist, desto mehr wird der Finanzsektor in Erwartung dieser Politik Geld in die Hand nehmen und so einen positiven Kreislauf aus groß angelegten Investitionen, schnellerer Dekarbonisierung, mehr Arbeitsplätzen und schnellerem Wachstum in Gang setzen. Seine zentrale und einfache Botschaft an die Regierungen lautet, dass das Geld für ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen zur Verfügung steht und der Finanzsektor umgestaltet wird. Die Net-Zero-Prinzipien werden zu einem Prämisse, die bis auf die Unternehmensebene durchdringt und nun auch den Finanzsektor erreicht, um ein Finanzsystem zu schaffen, das bei jeder Entscheidung den Klimawandel berücksichtigt. Um die Veröffentlichung globaler klimarelevanter Daten verbindlich zu machen wurde in Glasgow offiziell die Einsetzung des neuen International Sustainability Standards Board (ISSB) offiziell bekanntgegeben, der seinen Sitz in Frankfurt am Main und ein weiteres Büro in Montreal haben wird. Das ISSB beabsichtigt, bis Mitte nächsten Jahres einen Standard für die Offenlegung von Klimadaten auf der Grundlage der bestehenden Standards des TCFD zu erstellen. 


Mark Carney erläuterte, dass die COP auch das Klimarisikomanagement in den Mittelpunkt des Finanzwesens rücken werde: Mit Hilfe des Central Banks and Supervisors Network for Greening the Financial System (NGFS), dem heute über 90 Behörden angehören, werden 85 % der weltweiten Emissionen und alle global systemrelevanten Finanzinstitute abgedeckt. Hinsichtlich einer realistischen Schätzung der Kosten der Energiewende im Laufe der nächsten drei Jahrzehnte geht er von einen Betrag von rund 100 Billionen Dollar aus [Anm.: nun 130 Billionen Dollar wie auf der COP angekündigt]. In Bezug auf den enormen Finanzierungsbedarf für die Energiewende verwies er auf die "Glasgow Financial Alliance for Net Zero" (GFANZ), in der sich Vermögensbesitzer, Vermögensverwalter, Banken, Versicherungen und das gesamte Finanzspektrum mit über 450 großen Finanzinstituten aus 45 Ländern aller Kontinente zusammengeschlossen haben mit einer kumulierten Bilanzsumme von über 100 Billionen Dollar. Das entspräche auch einer vernünftigen Schätzung dessen, was die Energiewende im Laufe der nächsten Jahrzehnte weltweit kosten wird. ­­


Für die Zeit nach der COP26 möchte Carney, das Kapitalangebot in den entwickelten Volkswirtschaften mit der Kapitalnachfrage in den Schwellen- und Entwicklungsländern zusammenbringen. Die meisten Schätzungen gehen davon aus, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer bis zur zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts zusätzliche eine Billion Dollar pro Jahr für die Klimafinanzierung benötigen werden. Carney forderte, dass Milliarden an öffentlichem Kapital in Billionen an privatem Kapital umgewandelt werden müssen. Bisher haben die sogenannte Blended-Finance-Vehikel nur Bruchteile der eingesetzten Dollars mobilisiert, statt ein Vielfaches davon. Daher plädiert er für einen neuen Ansatz und die Prüfung von Länderplattformen zur Bereitstellung der benötigten Finanzmittel unter Verwendung von Blended-Finance-Strukturen mit hoher Multiplikation und First-Loss-Elementen. Denn der private Finanzsektor sei auf der Suche nach Vermögenswerten, die auf die Pariser Ziele ausgerichtetet sind und kann somit einen wichtigen Beitrag zur Transformation leisten.

Mark Carney

Im Bild: Mark Carney und KENFO-CEO Anja Mikus

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Thierry Déau

Sustainable infrastructure investing and energy transition - in the context of climate and technological change & challenges


Vor dem Hintergrund der Energiewende und der Herausforderung der Klimakrise sieht Thierry Déau, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Meridiam Group, positive Impulse für Infrastrukturinvestitionen. Weltweit engagiert sich Meridiam durch unterschiedliche Infrastrukturprojekte, die einen positiven Impact auf unterschiedliche Märkte weltweit haben. Opportunitäten sieht Thierry Déau,insbesondere im Bereich der Stromversorgung und Energieeffizienz. Ein Hauptaugenmerk legt der Investor dabei auf die Verfolgung der UN-Nachhaltigkeitsziele, die bei jedem von Meridiam entwickelten, gebauten oder betriebenen Investitionsprojekt identifiziert und gemessen wird. Dabei betont Déau, dass die Finanzierung und Investitionssummen von Infrastrukturprojekten oftmals nicht das Problem sind, sondern die Ressourcen, um solch aufwendige Projekte zu strukturieren, durchzuführen und zu begleiten. Gerade die Energiewende benötigt Personal auf privater und öffentlicher Seite, das komplexe Projekte versteht und technisch, wirtschaftlich und rechtlich begleiten kann. Mit einem Ausblick auf den Energiemarkt, der einerseits alte Technologien auslaufen lassen und andererseits Innovationen fördern muss, schließt Herr Déau mit einem optimistischen Blick auf die Herausforderung der klimaneutralen Transformation ab. 

Thierry Déau

Dr. Ludger Schuknecht

Die internationale Staatsverschuldung kennt nur eine Richtung: nach oben
Nachhaltige Staatsfinanzen – eine globale Herausforderung

 

Zur Situation globaler Staatsfinanzen trug Dr. Ludger Schuknecht, Vizepräsident der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB), vor. Dem habilitierten Ökonomen, der als ehemaliger Chefvolkswirt des Bundesfinanzministeriums sowohl die Minister Wolfgang Schäuble als auch Olaf Scholz in finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen beriet, kam gerade in der Eurokrise aufgrund umfangreicher Erfahrungen mit internationalen Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank eine wesentliche Rolle zu. Schuknecht, der nach Stationen beim IWF und der Welthandelsorganisation bei der Europäischen Zentralbank als Leiter Fiskalpolitik geldpolitische Entscheidungen vorbereitete und später stellvertretender Generalsekretär der OECD in Paris war, hält die derzeitigen globalen Staatsfinanzen nicht für nachhaltig. Die Verschuldung in den Industriestaaten liege derzeit in etwa auf dem Niveau von 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg. Das keynesianische Modell „Schulden hoch in der Rezession“ und „Schulden runter in den guten Zeiten“ habe in den letzten Jahren in den Industriestaaten nicht funktioniert, die Tendenz hatte immer nur eine Richtung: nach oben. Auch in den Schwellenländern sei das Verschuldungsniveau erheblich angestiegen. Für die G7-Staaten ist das Durchschnittsniveau mit 140% vom BIP noch höher, und derzeit wird über noch höhere Schuldenniveaus zur Finanzierung weiterer Staatstätigkeit diskutiert. Zusätzlich kommen Risikofaktoren für die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen wie insbesondere die Bevölkerungsalterung und das Risiko weiterer Finanzkrisen, die die Schuldenstände immer wieder nach oben getrieben haben. Die größten Länder mit der höchsten Verschuldung sind Japan, Italien, USA, Kanada, Frankreich, Spanien und Großbritannien; Deutschland habe immerhin noch einige Sicherheitsmargen zu dem, was als riskant anzusehen ist. In Schwellenländern sei die Verschuldung deutlich niedriger, trotzdem sei auch hier von einigen Risiken auszugehen: Indien mit 90% Staatsverschuldung, China zwar deutlich darunter aber mit viel versteckter Verschuldung in Staatsunternehmen, und Singapur als Sonderfall mit zwar hohen Schulden aber auch hohem Vermögen. Insgesamt sei man auch hier in einer Situation, die früher die Alarmglocken hätte schrillen lassen. Selbst der IWF konstatiere 80% der Staaten „vulnerabilities“ im Staatssektor. Wesentliche zukünftige Risiken seien die Bevölkerungsalterung und zukünftige Finanzkrisen, was bspw. in Irland und Griechenland ca. 30% des BIP gekostet habe und zu erheblichen Schuldenstandserhöhungen führte. Eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) zeige, dass man zur Bewältigung einer schweren Finanzkrise eine Sicherheitsmarge von ca. 50-60% bei der Staatsverschuldung brauche. 


Vor dem Hintergrund eines erheblichen Anstiegs der Vermögenspreise, einer erheblichen Geldmengendynamik und damit einer erheblichen Privatsektorverschuldung sind die Aussichten für ein Platzen von Blasen in den Finanzmärkten nicht gerade gering, insbesondere wenn die Zinsen steigen sollten und damit auch die Risikoprämien wieder steigen. Schuknecht plädiert daher dafür, eine Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen über eine Reform der Staatstätigkeit und Strukturreformen zu erreichen und die Staatsausgaben auf ein finanzierbares und realistisches Maß zu beschränken und sich nicht in ein „Wolkenkuckucksheim“ immer größerer Staatstätigkeit und Staatsinterventionen zu begeben.

Dr. Ludger Schuknecht

Links im Bild: Dr. Ludger Schuknecht.

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Helen Steers

„Technologiebezogene Wachstumssektoren geben den Weg vor“ – Überblick über aktuelle Entwicklungen in den Private Markets - Herausforderungen durch hohe Unternehmensbewertungen, erwarteter Inflation, ESG/Klimawandel sowie technologischem Wandel.


Helen Steers, Partnerin im europäischen Investmentteam von Pantheon Ventures, einem führenden Manager von Anlagen in nicht börsennotierte Unternehmen, gab in ihrem Vortrag einen Überblick über aktuelle Entwicklungen auf dem Markt für alternative Anlagen. Dieser sei weitergewachsen und habe bei den verwalteten Vermögen und der Mittelbeschaffung ein Rekordniveau erreicht. Zwischen 2016 und 2020 habe sich das verwaltete Vermögen des alternativen Marktes verdoppelt. Helen Steers erläuterte, dass bis zum Jahr 2025 eine weitere Verdopplung erwartet wird. Im Jahr 2020 machten nicht börsennotierte Anlagen etwa fünf Prozent aller Anlageklassen aus. 


Die Gründe dafür, dass die Erholung der Investitionstätigkeit und der Performance von alternativen Investitionen seit dem Ausbruch der Covid-Pandemie die Erwartungen übertrifft, führt Frau Steers darauf zurück, dass die Märkte einerseits relativ gut auf einen Abschwung vorbereitet waren. Außerdem habe man in diesem Segment schnell auf Lieferketten- und Personalengpässe reagiert und Unternehmen mit Barmitteln unterstützen können. Des Weiteren haben Fondsmanager bereits vor der Pandemie ihre Portfolios in widerstandsfähigeren Sektoren wie beispielsweise der Informationstechnologie umgeschichtet. 


Langfristige Anlagetrends sieht Helen Steers in der Technologie als Querschnittsthema, das sich auf alle Sektoren auswirkt, der Demokratisierung von Finanzdienstleistungen, veränderten Verbraucherpräferenzen sowie in der Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen. Für Pantheon bedeute dies, dass mehr als 75% der neuen Transaktionen auf nur vier Branchen entfielen: Informationstechnologie, zyklische Konsumgüter, Industrieunternehmen und dem Gesundheitswesen. 


Ihre Ausführungen schloss Helen Steers mit einem Blick auf Entwicklungen im Bereich der Nachhaltigkeit. Auch dort unterstützen neue Technologien nachhaltige Investitionsmöglichkeiten. Neben einer Zunahme von Offenlegungs- und Berichtsanforderungen, gewinne laut Helen Steers ein integrierter ESG-Ansatz an Bedeutung. Zudem engagierten sich Anleger mehr als je zuvor für Gleichberechtigung und die Beseitigung sozialer Ungleichheiten. 
 

Helen Steers

Im Bild: Helen Steers, Partnerin im europäischen Investmentteam von Pantheon Ventures

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Dr. Asoka Wöhrmann

„Deutschland sollte sich an die Speerspitze grüner Technologie setzen“
Herausforderungen im aktuellen Investmentumfeld und Investmentausblick

 

Zum Abschluss der diesjährigen Annual Asset Manager Conference referierte Dr. Asoka Wöhrmann, Chief Executive Officer und Vorsitzender der Geschäftsführung der DWS Group, zu aktuellen Trends und Entwicklung auf dem Finanzmarkt. Dabei fokussierte er sich auf zwei Themen, die für die 2020er-Jahre prägend sein werden: die Inflationsentwicklung sowie die „grüne Industrialisierung“ bzw. dem weltweiten Ziel der Klimaneutralität. 


Vor dem Hintergrund der aktuellen steigenden Inflation und der Zinsentwicklung spannte Herr Wöhrmann dabei den historischen Bogen zur Immobilienkrise 1989 in Japan sowie der Lehmann-Krise 2007. Im Vergleich zu historischen Krisen herrsche aktuell ein besonderer „Angebotsschock“, der auf steigende Staatsschulden treffe, was eine besondere Herausforderung für Zentralbanken darstelle. DWS-Chef Wöhrmann erwartet für die Zukunft eine strukturell höhere Inflation als in den vergangenen zwei Jahrzenten und sieht in dieser Entwicklung die nächste Stufe einer Finanzrepression. Eine Herausforderung für Investoren bestehe darin, den Investmentrahmen sowie die Portfolienkonstruktion in der Gemengelage von unterschiedlichen Durationen, Zinsen, Liquidität und Risikoüberlegungen ausbalanciert zu gestalten. Neben diesen makroökonomischen Überlegungen ging Wöhrmann detailliert auf die grüne Industrialisierung und die damit einhergehenden Herausforderungen für Investorinnen ein. Diese Transformation stelle die größte Veränderung der letzten 150 Jahr dar. Als Vorstandsvorsitzender sehe er dabei die erhöhte Nachfrage nach ESG-konformen Produkten sowohl auf institutioneller als auch auf der Retailseite. Er zeigte sich überzeugt, dass Nachhaltigkeitsstrategien immer gleich stark bzw. besser als herkömmliche Investmentstrategien sind und verwies auf entsprechende Datenreihen. Gerade in schwierigen Markphasen habe sich bewiesen, dass „Nachhaltigkeit nicht nur eine Schönwetterstrategie ist, sondern eine Allwetter-Strategie“. Der Fokus bei der Ausgestaltung solle dabei auf der Entwicklung und Transformation von Schlüsselindustrien wie bspw. dem Energiesektor liegen. Hinsichtlich des aktiven Aktionärstums kritisierte Wöhrmann, dass es einige nur bei der Stimmrechtsausübung belassen. „Beim Corporate Engagement benötigen wir einen klaren Milestoneplan, entlang dem man handelt.“ forderte Wöhrmann. Asset Manager können hier gerade über den direkten Kontakt zur Realwirtschaft ihre Erwartungen und Einfluss geltend machen. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland sieht Wöhrmann weiterhin alle Chancen: „Deutschland ist Hochtechnologie-Land und sollte sich an die Speerspitze grüner Technologie setzen“ so seine klare Einschätzung, Deutschland solle diese Chance nutzen. 

Dr. Asoka Wöhrmann

Im Bild: Dr. Asoka Wöhrmann, Chief Executive Officer und Vorsitzender der Geschäftsführung der DWS Group

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